Egor1 sGleich 4 Jazzbands bringen die Aula zum Beben
Seit es die jährliche Bigband-Matinee im Rheinhotel Dreesen nicht mehr gibt, fehlt auf den Bonner Bühnen eine Möglichkeit, bei der sich Schulbigbands begegnen können – Anlass genug, am TABU eine neue Institution zu begründen, die diese Lücke schließt. Die beiden aktuellen TABU-Bigbandleader Christian Villwock und Arnt Böhme sowie der am TABU noch wohlbekannte ehemalige Bigbandleader und Musiklehrer Michael Rodarius haben deshalb gemeinsam die Idee entwickelt, in Zukunft jedes Jahr kurz nach den Sommerferien eine weitere Schulbigband zu einem gemeinsamen Konzert im TABU einzuladen.


Am 9.9.2019 gab es dann die Premiere: Das „1. Bigbandmeeting am TABU“ ließ die Bigband des Erich-Klausener-Gymnasiums Adenau (EKG-Bigband) und gleich 3 TABU-Bands in der fast voll besetzten Aula des TABU zu einem gemeinsamen von den 3 Bandleadern moderierten Konzert zusammenkommen.
Als „Opener“ fungierten die Youngstars von der „TABU-Junior-Bigband“, die bereits stilsicher und souverän Latin- und Swing-Klassiker darboten und sich teilweise auch schon mutig auf das Terrain erster Soli wagten, was beeindruckend gelang.


Allstars1 sEine absolute Premiere war der erste Auftritt der neu gegründeten „TABU-ALLSTARS-Band“, in die man nicht einfach eintreten kann, sondern in die man „berufen“ wird. Auf Initiative der beiden 2018er-Abiturienten und Ex-TABU-Bigbandmitglieder Bela Knopp (E-Bass) und David Müller (Schlagzeug) wurde unter der Leitung von Arnt Böhme ein Combo-Set geprobt und zur Aufführung gebracht, das den besonders versierten aktuellen TABU-Bigband-Mitgliedern Alina Adolf (Alt-Saxofon) und Egor Vashchenko (Trompete und Flügelhorn) viel Raum für phantasievoll und gekonnt dargebotene improvisierte Soli bot. Ergänzt wurde die Band durch weitere erfahrene aktuelle Bigbandmitglieder: Florentin Aldenhövel (Alt-Saxofon), Marie Mönig (Klavier) und Bigbandleader Christian Villwock (E-Gitarre). Von entspanntem Latin über halsbrecherische Swing- und Bebop-Klassiker bis hin zu Balladen reichte die stilistische Bandbreite, die quasi kammermusikalisch präsentiert wurde. Das kann grundsätzlich aber nur gelingen, wenn jeder einzelne Musiker sehr genau mit seinem Spiel auf seine Bandkollegen reagiert. Das Septett konnte diesbezüglich mehr als überzeugen. Bravo!
Alti1 sAls Gastbigband war die erst im Februar dieses Jahres gegründete EKG-Bigband erstmals auf der Bühne des TABU zu hören. Bandleader Michael Rodarius – am TABU unvergessen – hatte seine Musikerinnen und Musiker punktgenau auf ein Programm mit großer stilistischer Bandbreite von Blues bis Funk vorbereitet. Überschäumende Spielfreude wie z. B. bei „Tequila“ vereint mit ausgefeilter Dynamik und artikulatorisch exaktem Spiel sowie einem sehr homogenen Gesamtklang waren die Grundlage, auf der die Solistinnen und Solisten ihr individuelles Können bei zahlreichen Soli präsentieren konnten. Von dieser noch so „jungen“ Bigband ist sicher noch viel zu erwarten.
Voller Anerkennung für die Leistungen der Gäste aus Rheinland-Pfalz zeigte die TABU-Bigband dann ihre musikalische Reaktion. Die etwas größere und damit „volle“ Bigband-Besetzung machte es möglich, Latin-Klassiker wie „Brazil“, Swing-Standards wie „The Lady is a Tramp“ oder „There will never be another you”, Pop-Hits wie “Skyfall” oder “My Girl” mit vielen verschiedenen Klangfarben anzureichern. Als Solisten traten ganz besonders häufig filigran improvisierend Alina Adolf (Alt-Saxofon) und Egor Vashchenko (Trompete) hervor. Aber auch die nachrückende Generation wie z. B. Ben Shrestha und Florentin Aldenhövel (beide Alt-Saxofon) und Julian Bloch (Bariton-Saxofon) begab sich selbstbewusst und gekonnt auf erste Solo-Ausflüge. Die beiden Bigband-Leader Christian Villwock und Arnt Böhme konnten sich über ihre souverän, konzentriert und technisch wie musikalisch in Topform aufspielende Band freuen.
Vorband1 sAbsoluter Höhepunkt und offizieller Schlusspunkt des gut zweistündigen Konzerts war dann der gemeinsam von EKG-Bigband und TABU-Bigband und damit über 30 Musikerinnen und Musikern dargebotene Klassiker von Carlos Santana: „Smooth“ presste die zahlreichen Zuhörer aus Adenau und Bonn vor Energie förmlich in ihre Sitze. Standing Ovations waren der verdiente Lohn.
Großen Anteil an dem Konzerterfolg hatten aber auch die, die nicht direkt im Rampenlicht standen: um eine so große Band akustisch angemessen in einer Schulaula wie der des TABU präsentieren zu können, brauchte es versierte Tontechniker. Die TABU-Technik-AG unter Leitung von Christian Villwock assistierte dafür dem Ton-Profi Michael Haas vom „Big Easy Studio“, der mit seinem umfangreichem Equipment bestehend aus hunderten Kabeln, zig Mikrofonen und x Monitorboxen die Aula optisch in einen riesiges Tonstudio verwandelt hatte. Es hatte sich aber auch wirklich gelohnt: Der „Sound“ im Saal war phänomenal.
Bestes Beispiel dafür war die ebenfalls in doppelter Bigbandbesetzung präsentierte Zugabe und damit das endgültige Finale: „Gonna fly now“ – was eigentlich auch ein passender Titel für das Konzert gewesen wäre.

Autor: Arnt Böhme
Fotos: Klaus-Peter Wirth